30 italienische Militärinternierte in der Sternwoll-Spinnerei als Zwangsarbeiter eingesetzt

Von September 1944 bis Mai 1945 wurden 30 italienische Militärinternierte in der Sternwoll-Spinnerei eingesetzt. Dies ergibt sich aus jetzt gefundenen Schreiben von Titel & Krüger ans Hamburger Gauarbeitsamts. Dieses hatte Ende August 1944 alle Unternehmen angeschrieben, um ihm die bei ihnen Beschäftigten italienischen Militärinternierten zum 1. September 1944 mitzuteilen.

Bisher war man von 26 italienischen Kriegsgefangenen ausgegangen. Aus der Meldekartei und der Mitteilung des Unternehmens ergibt sich die neue Zahl und erstmals auch ihre Namen. Unterlagen aus 1946 führen noch eine höhere Anzahl auf, da vier von ihnen Ende Oktober bzw. November 1944 aus dem Lager „austraten“. Was aus ihnen wurde, ist unklar.

26 von ihnen kamen nach Angaben der Hausmeldekartei aus dem Kriegsgefangenen Stammlager (Stalag) Sandbostel bei Bremervörde.

Wie kam es zu den italienischen Militärinternierten

Die italienischen Soldaten waren ab September 1943 von der deutschen Wehrmacht festgenommen und nach Deutschland deportiert, um sie als Kriegsgefangenen zur Arbeit einzusetzen. Ursprünglich war Italien Verbündeter Deutschland im Krieg. Mit dem Sturz Mussolinis im Juli 1943 änderte sich die strategische Rolle Italiens, die im September 1943 mit den Alliierten erst ein Waffenstillstand-Abkommen abschloss und im Oktober 1943 Deutschland den Krieg erklärte.

Die meisten italienischen Soldaten verweigerten sich dem Übergang in die deutsche Wehrmacht und wurden so zu Kriegsgefangenen. Um sich nicht an die internationalen Regeln zu halten, führte Deutschland den Status der „italienischen Militärinternierten“ ein. Sie wurden als Verräter in Deutschland angesehen und sehr schlecht behandelt.

Von den über 600.000 italienischen Soldaten, die als „Militärinternierten“ in Deutschland waren, starben 50.000. In Hamburg sollten 15.500 von ihnen als Zwangsarbeiter eingesetzt werden. Jüngste Zahlen besagen, dass es 13.500 vermutlich in Hamburg waren. Zu erst wurden sie auf große Lager verteilt, vor allem Schulen, aber auch große Hallen im Hamburger Hafen wie im Dessauer Ufer oder Alter Wandrahm. Von hier erfolgte ihre weitere Verteilung auf andere Zwangsarbeitslager. Bisher wurden über 220 Lager in Hamburg ermittelt, in denen italienische Militärinternierte lebten. Von diesen Lager ging es zu den Arbeitsorten. Die Unternehmen hatten sie angefordert. Hier besagen Unterlagen, das es über 500 Hamburger Unternehmen waren.

Was genau die italienischen Militärinternierten in der Sternwoll-Spinnerei machen mussten, ist bisher nicht bekannt.

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