Bewegende Veranstaltung zur Erinnerung an Zwangsarbeit im Lager in der Norderstraße

150 Besucher fanden am 27.01.2012 den Weg ins Altonaer Rathaus, um an Zwangsarbeit in Hamburg-Altona während des 2. Weltkrieges zu erinnern. 1944 rettete ein Hamburger zwei französischen Zwangsarbeitern des Lagers Norderstraße (heute Virchowstraße), die den Feuersturm am 24./25.07.1944 entronnen waren, das Leben, in dem er ihnen gefäschte Papiere für ihre Reise in die französische Heimat ausstelle. Einer von ihnen, Louis Deslandes, überlebte und sprach per Videobotschaft zu den Besuchern im Altona Rathaus, im Kollegiensaal.

Das Lager „Norderstraße“ war von Bomben der Allierten fast vollständig zerstört worden. Rüstungsbetrieben grenzten daran, es befanden sich bis zu 590 Personen im Lager. Nur wenige überlebten diese doppelte Katastrophe, zur Zwangsarbeit gezwungen und Opfer eines Bombardements. Seit 2004 gibt es einen direkten Kontakt mit dem letzten Überlebenden dieses Lagers und der Familie, deren Vater die Papiere ausgestellt hatte.

Höhepunkt der Veranstaltung war eine 5-minütige Videobotschaft des heutige 98jährigen Louis Deslandes. Er selber konnte altersbedingt nicht kommen. Erst 2004 hatte er sich an die Familie einer seiner damaligen Retter gewandt. Daraus entstand ein fester Kontakt. Die Bitte an Bürgermeister Olaf Scholz aus 2011, der gefallenen Franzosen zu erinnern, gab dieser an die Bezirksversammlung Altona weiter, diese delegierte es in den Kulturausschuss, die ihrerseits eine Arbeitsgruppe bildete. Die Durchführung der Veranstaltung am 27.01.2012 war die erste öffentlichen Aktivität, um an Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen zu erinnern.

Die Hamburger Familie Reincke, deren Vater zwei Franzosen Unterkunft und Papiere besorgt hatte, berichtete auf der Gedenkveranstaltung, dass sie selber erst mit dem Schreiben von Louis Deslandes über die Taten ihrer SchwiegerVaters Kenntnis erlangten. Schülerinnen des Gymnasiums Allee (Altona) verlasen die Namen der Zwangsarbeiter aus dem Lager Norderstraße und zitierten aus Materalien des Staatsarchivs (keine hilfreiche Einrichtung) aus der Lagerordnung bzw. Anweisungen der Nazi-Organisatoren zum Umgang mit den Zwangsarbeitern.

Prof. Dr. Helga Bories-Sawala, Uni Bremen, beschäftigte sich in einem kurzen Vortrag mit der unterschiedlichen Herkunft der Zwangsarbeiter als sogenannten zivile Zwangsarbeiter, KZ-Häftige und Kriegsgefangene. Sie verwendete dabei einige Charts aus einer umfassenden Präsentation zum Thema französischen Zwangsarbeiter in Deutschland.

Die Inititiave des Kulturausschusses der Bezirksversammlung Altona hat sich das Ziel gesetzt, an die Zwangsarbeiter im Lager in der Norderstraße, der heutigen Virchowstraße, zu erinnern und will weitere Aktivitäten unternehmen. In einem vorangegangenen Gespräch zwischen der Iniative zur Erinnerung an Zwangsarbeit in der Sternwoll-Spinnerei in der Griegstraße 75 und Vertretern des Arbeitskreises hatte man sich darauf verständigt, an der Sitzung des Arbeitskreises „Lager Norderstraße“ kommend teilzunehmen.

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