MOPO: Das vergessene Leid der Zwangsarbeiter

Die Hamburger Morgenpost vom 15.12.2011 informiert über die Initiative zur Erinnerung an Zwangsarbeit auf dem Gelände der Sternwoll-Spinnerei in der Griegstraße 75. „Angesichts der Baumaßnahmen auf dem Gelände fordern Vertreter der heute dort ansässigen Firmen den Grundstückseigentümer zur Anbringung einer Gedenktafel auf. ‚Wir möchten, dass diese schreckliche Vergangenheit nicht einfach vergessen wird‘, so Christine Siems, Leiterin der Elbe-Werkstätten. Auch die Betriebsräte von MOPO, Libri und des Schiffsausrüsters SAM sowie die Kirchengemeinde Tabita und Altona 93 unterstützen das Projekt“, scrheibt die Zeitung.

3 Antworten auf „MOPO: Das vergessene Leid der Zwangsarbeiter“

  1. Es blieb nicht bei Zwangsarbeit

    Die Firma Noleiko (Norddeutsche Leichtmotor – und Kolbenweke), jetzt Kolbenschmidt, lag gleich nebenan in der Friedensallee. Ich weiß nicht, wo deren Zwangsarbeiter/innen untergebracht waren, aber es ist nicht unwahrscheinlich, dass es auch der Friesenweg war. Über den Mord an kriegsgefangenen sowjetischen Mädchen und Frauen im November 1943 , die bei der Noleiko beschäftigt waren,erfahren wir aus dem Bericht eines deutschen „Arbeitskollegen“:
    „Ich arbeitete in der gießerei der Firma Noleiko, Altona, Friedensallee….. Im Sommer 1942 bekamen wir plötzlich 60 kriegsgefangene russische Mädel…..zwangsverschleppte Zivilarbeiterinnen uns Armeehelferinnen der Roten Armee….Anfangs waren sie mit Recht mißtrauisch, ich konnte ja leicht Gestapospitzel sein. Doch das Misstrauen legte sich schnell…….Unter großen Gefahren versorgten wir sie mit illegalen Schriften und Materialien. Wir schmuggelten jeden Tag die neuesten Nachrichten über die politische Lage durch Kassiber zu bestimmten Uhrzeiten in ihre Hände…….Wir sammelten bei unseren Genossen und Sympthisierenden Schuhe, Strümpfe, Brot, Butter,Obst, schokolade ,Zigaretten, Kleider.
    Am 7. September gelang es, im Volkspark zu Ehren des russischen Revolutionstages zusammen mit holländischen, französischen und italienischen Kriegsgefangenen eine kleine Kundgebung stattfinden zu lassen. Die Russinnen tanzten und sangen revolutionäre Lieder.
    Und am 10.11 1943 passierte es.: Sie bekamen saures Essen. ganz spontan streikten sie und legten die Arbeit nieder.Wir Genossen mußten abwarten und konnten nicht eingreifen, doch sie hielten tapfer durch. Sie wurden in den Luftschutzraum gesperrt, geschlagen und haben doch keinen Genossen verraten, auch nicht als die Gestapo fünf Komsomolzinnen mitnahm…….Am 15.11 morgens mußten sie mit zu den Kiesgruben ( heute Gewerbegebiet Windsbergring) fahren und zusehen, wie ihre Genossinnen durch feigen Genickschuss getötet wurden. Als sie wiederkamen, sprachen sie aus Protest drei Tage kein einziges Wort.“
    (Bericht von Erich Reisel in „Nacht über Hamburg“,Röderberg-Verlag)

  2. Derzeit läuft im Hamburg die Ausstellung:

    „Ich hätte nicht geglaubt, noch einmal hierher zu kommen.“
    Schicksale ehemaliger Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter und das Hamburger Besuchsprogramm für 2001 – 2013

    Eine Ausstellung des Freundeskreises KZ-Gedenkstätte Neuengamme e. V. in Kooperation mit der KZ-Gedenkstätte Neuengamme – erstellt im Auftrag der Senatskanzlei der Freien und Hansestadt Hamburg: http://www.hamburg.de/ausstellung-zwangsarbeiter/

    Zu denjenigen, die unendlich viel getan haben, um auch Zwangsarbeiter zu einer individuellen Entschädigung zu verhelfen, gehörte Noach Flug, den ehemaligen Vorsitzenden des Internationalen Auschwitz-Komitees, der vor 3 Jahren verstarb.

    Als 15-jähriger musste er im Ghetto Lodz leben und überleben. Jetzt gerade, am 29.8. wird in Lodz der Liquidation dieses Ghettos vor 70 Jahren gedacht. Den Befehl zur Liquidation gab Himmler am 11. Juni 1944. 6 Wochen später lebte dort im Lodz Niemand mehr. Ein Befehl, der eigentlich auch Noach Flug umbringen sollte. Aber er überlebte – und wurde ein Jahr später, am 6. Mai 1945 in Ebensee befreit.

    Damit begann für ihn ein zweites, unendlich schaffens-reiches Leben, das ihn, so Charlotte Knobloch „vom Ghetto Lodz ins Schloss Bellevue“ führen sollte. Drei Dinge waren es, die ihn – u.a. als Vorsitzendem der Dachverbände aller Holcaust-Überlebenden in Israel – besonders antrieben:

    – die individuelle Wiedergutmachung, die letztendlich auch zum Wieder-Aufrollen der Ghetto- & Zwangsarbeiter-Rentenfrage führte,
    – die Unterstützung der älter gewordenen Überlebenden und ihrer Nachkommen, als die Traumata im Alter zunehmend hochkamen
    – und die Vertiefung des Dialogs zwischen den Menschen der nachfolgenden Generationen.

    Inzwischen gibt es ein Bucht, dass dieses besondere Leben dieses besonderen Mannes mit Hilfe von Beiträgen aus seiner Familie, von Freunden (darunter den beiden anderen „Musketieren“ Marian Turski und Roman Kent), Wegbegleitern aus der Claims, aus den Organisationen der Holocaust-Überlebenden, bei Amcha, in den verschiedensten Erinnerungs-, Dialog- und Lernstätten, voran den Leitern der Gedenkstätten in Auschwitz und Yad Vashem, .. u.v.a.m… nachgezeichnet. Beschrieben wird so „A Mentsh“, wie man im jiddischen sagt, der Optimist geblieben ist, trotz allem. Zwei Vorworte schrieben – Charlotte Knobloch und Stuart Eizenstat. Es heißt: „Ich bleibe Optimist, trotz allem“

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